Heft 1/2026, Geschlecht und Macht (Hg. Claudia Öhlschläger und Birgitt Riegraf)
1) Worum geht es im Schwerpunktthema des neuen Heftes?
Das Schwerpunktthema Geschlecht und Macht greift eine Diskussion auf, die von Beginn an ein zentrales Thema der Frauen- und Geschlechterforschung war. Die Artikel des Heftes 1/2026 machen aus der Sicht sehr unterschiedlicher gesellschaftlicher Felder die vielfältigen und komplexen Formen der mehr oder weniger subtilen Ab- und Aufwertungsmechanismen im Verhältnis der Geschlechter deutlich. Dabei rücken Praktiken, Erfahrungen und Prozesse gezielter An- oder Aberkennung von Leistungen in den Blick, aber auch Bedingungen der Inklusion in Netzwerke sowie Phänomene der Ausgrenzung. Räume symbolischer Macht erweisen sich, wie gezeigt wird, zutiefst von intersektionalen Verschränkungen (Race, Class, Gender) geprägt. Angesichts der derzeit zu beobachtenden, teilweise radikalen Infragestellungen emanzipatorischer Errungenschaften erhalten Debatten über geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Machtasymmetrien eine erschreckende Aktualität. Einige Beiträge des Heftes widmen sich aber auch den subversiven Praktiken, den Widerständigkeiten und Widerstandformen, etwa in Form künstlerischer und literarischer Ausdrucksweisen.
2) Worauf können sich die Leser:innen besonders freuen?
Die Leser:innen finden etwa die Diskussion bisheriger Forschungsansätze und -erkenntnisse zum Thema Geschlecht und Macht im Lichte aktueller Entwicklungen repräsentiert. Die gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Angriffe auf die Geschlechterforschung und den Feminismus werden etwa als Ausdruck umkämpfter Wissens- und Deutungsordnungen reflektiert. Die derzeit zu beobachtenden Infragestellungen von geschlechtsspezifischen Betrachtungsweisen und Differenzen, aber auch bisher erreichter Emanzipationsgewinne werden zugleich als Teil weitreichender Konflikte um Wissenschaftsfreiheit, Demokratie und epistemische Autorität sicht- und analysierbar.
3) Eine Besonderheit der feministischen studien ist die Rubrik »Im Gespräch«. Mit wem wurde diesmal über welches Thema gesprochen?
In diesem Heft kommen Svenja Schulze, erfahrene Politikerin und ehemalige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Eva von Redecker, Philosophin, Autorin und Publizistin, zu Wort. Beide nähern sich aus sehr unterschiedlichen Perspektiven dem Schwerpunktthema des Heftes: Svenja Schulze thematisiert das Verhältnis von Geschlecht und Macht vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Einblicke in das von Machtmechanismen durchzogenen und durch männliche Dominanz geprägten Feldes der Politik. Eva von Redecker nimmt aus einer philosophischen Geschlechterperspektive eine entschieden kapitalismuskritische Haltung ein und beleuchtet den Zusammenhang von ökonomischen Herrschaftsansprüchen und verschiedenen Formen der Diskriminierung. Beide Perspektiven berühren sich in der Überzeugung, dass eine geschlechtergerechte Teilhabe und ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen eine veränderte gesellschaftliche Ordnung bedürfen.
4) Welche Künstler:innen werden in der Rubrik »Bilder und Zeichen« vorgestellt?
Wir haben in diesem Heft ausgewählte Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Cihan Çakmak aufgenommen, die für ihre Fotografien, Videos und Installationen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Im Zentrum der Arbeiten von Cihan Çakmak stehen Fragen nach Geschlechtsidentität, Herkunft und Erinnerung. Ausgehend von ihrer deutsch-kurdischen Biografie setzt sie sich intensiv mit persönlichen und kollektiven Erfahrungen zu Themen wie Trauma, transgenerationale Prägungen, Körperbilder und weibliche Perspektiven auseinander. Cihan Çakmak zeigt in ihren Arbeiten die Wider- und Eigenständigkeiten weiblicher Handlungsmacht etwa im symbolischen Einsatz von Pflanzen oder Blumen. Herkömmliche Vorstellungen von Weiblichkeit werden irritiert und Begehrensformen des männlichen Blicks zurückgewiesen.
5) Welchen Text würdet ihr als erstes lesen?
Unser Tipp wäre, die Lektüre mit der Rubrik „Im Gespräch“ zu beginnen. Die Dialoge mit Svenja Schulze und Eva von Redecker bieten einen guten Einstieg in das Schwerpunktthema des Heftes, da hier bereits die komplexen und vielfältig verschränkten Dynamiken von Geschlecht und Macht angesprochen werden. In den einzelnen Beiträgen erfolgt dann für sehr unterschiedliche gesellschaftliche Felder eine vertiefende Analyse, die Problemlagen um Geschlecht und Macht deutlicher sicht- und diskutierbar macht.






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