Zukunftsbilanz: Transnationale Feminismen 25 Jahre nach Peking

Um Bilanzen geht es in diesem Heft der feministischen studien. Genauer: Um eine Bilanzierung transnationaler Feminismen 25 Jahre nach Peking. Auf die 5 Fragen der Blog-Redaktion antworten die Herausgeberinnen des Heftes, Uta Ruppert, Tanja Scheiterbauer und Katharina Liebsch

1) Worum geht es im Schwerpunktthema des neuen Heftes?

Vor 25 Jahren fand im September 1995 die Weltfrauenkonferenz in Peking statt – Anlass, im neuen Heft den Blick nach vorne zu richten und aus der Gegenwart heraus die Komplexität transnationaler Feminismen in ihren verschiedenen lokalen und regionalen Bezügen und im Zusammenhang mit den Krisen des globalen Kapitalismus, zu diskutieren. Im Zentrum stehen Fragen nach den Perspektiven und zukünftigen Möglichkeiten regional verankerter feministischer Kämpfe um ›gute‹ und nachhaltige Weltentwicklung(en), nach den Chancen und Grenzen transnationaler feministischer Kooperationen und Solidaritäten und nach den Potenzialen von Intersektionalitätsansätzen, die Raum und Zeit bzw. Geopolitik und Historizität als Dimensionen ernst nehmen. 
2) Worauf können sich die Leser*innen besonders freuen?

Auf eine anregende Mischung aus Diskussionen, Stellungnahmen und Positionierungen zu den gegenwärtigen Bedeutungen transnationaler Feminismen, Länder bezogenen Analysen und zwei in die deutsche Sprache übertragenen Schlüsseltexte des jüngeren ‚Panafrikanischen Feminismus‘. 
3) Eine Besonderheit der feministischen studien ist die Rubrik „Im Gespräch“. Mit wem wurde diesmal über welches Thema gesprochen?

Gesprächspartnerin in diesem Heft ist Awin Swed, Aktivistin der kurdischen Frauenbewegung in Nordsyrien. 
Das Gespräch mit ihr vergegenwärtigt, wie sehr die Perspektiven feministischer Kämpfe mit den Konfigurationen inter- und transnationaler Politik verbunden sind. Auch wenn es in der derzeitigen Corona-Pandemie in den Hintergrund getreten ist: der Syrienkonflikt ist aufgrund der Beteiligung einer Vielzahl von Staaten, die um die Neuordnung der Region kämpfen, ein Austragungsort der Auseinandersetzungen um die Neuformierung globaler Politik. Trotzdem, so zeigt das Interview, entwirft die kurdische (Frauen-)Bewegung durch ihre lokalen Praktiken und Politiken inmitten dieses Konflikts eine alternative Zukunft und entwickelt Mechanismen und Politikstrategien, um Gleichheit und Gerechtigkeit basisdemokratisch umzusetzen.  
4) Und welche Künstler*in/nen wird bzw. werden in der Rubrik „Bilder und Zeichen“ vorgestellt?

Hier stellen wir ägyptische Graffiti-Kunst aus den revolutionären Zeiten nach 2011 vor. Das Beitragsbild ist ein Ausschnitt aus einem der gezeigten Graffiti. Die Graffiti sind Ausdruck der starken Politisierung von Geschlechterverhältnissen in diesen Umbrüchen sowie des großen Engagements von Frauen und verweisen zugleich auf die damit verbundenen Gewalterfahrungen. Die Symbolkraft der Abbildungen zeigt, wie weiblich konnotierte Körper und Sexualität in den gesellschaftlichen Kämpfen in Ägypten zu zentralen Austragungsorten der Auseinandersetzung um die zukünftige gesellschaftliche und politische Ordnung wurden.  
5) Welchen Text würden Sie persönlich als ersten lesen?

Die Einleitung. Sie ist in diesem Heft mehr als der übliche einführende Überblick. Vielmehr werden hier transnationale Feminismen historisch, theoretisch, politisch kontextualisiert und entlang der Frage nach den Möglichkeiten zukünftiger feministischer Kooperation nicht nur pointiert dargestellt, sondern auch in ihrer politischen Bedeutung gewichtet und gewürdigt. 

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